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	<title>Hans Widmer</title>
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	<description>Meinungen und Reflexionen</description>
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		<title>Empörung und Engagement gehören zusammen</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 13:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hjw</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor dem Ethikforum Luzern hat Hans Widmer am 3. November 2011 im «Lukassaal» einen Vortrag über Stéphane Hessel und sein weltweit überaus erfolgreiches Buch «Empört Euch» gehalten. An den Beginn meiner Ausführungen möchte ich auf eine verlegerische Erfolgsgeschichte hinweisen. Mit &#8230; <a href="http://www.hanswidmer.ch/home/125/2011/11/14/emporung-und-engagement-gehoren-zusammen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vor dem Ethikforum Luzern hat Hans Widmer am 3. November 2011 im «Lukassaal» einen Vortrag über Stéphane Hessel und sein weltweit überaus erfolgreiches Buch «Empört Euch» gehalten. </h3>
<p>An den Beginn meiner Ausführungen möchte ich auf eine verlegerische Erfolgsgeschichte hinweisen.</p>
<p>Mit über 90 Jahren schreibt vor etwa zwei Jahren ein gewisser Stéphane Hessel eine gerade mal gute 20 Seiten umfassende Schrift, die in kurzer Zeit in Frankreich beinahe drei Millionen mal aufgelegt wird. Übersetzt wird sie in rekordverdächtiger Kurzzeit in sage und schreibe 33 Sprachen.</p>
<p>Den Titel «Empört euch», so erklärte der Autor vor kurzem in Zürich, hat nicht er, sondern seine Verlegerin gesetzt. Und sie habe anfänglich für die französische Auflage mit etwa 8000 Exemplaren gerechnet.</p>
<p>Die Befehlsform «Empört euch» heisst auf spanisch «Indignáos» und  wurde zur Bezeichnung für eine Massenbewegung, die Bewegung der sogenannten Indignados, auf deutsch die «Bewegung der Empörten».</p>
<h3>Empörung wird heute massenhaft und weltweit zum Ausdruck gebracht</h3>
<p>Sie hat insbesondere im krisengeschüttelten Spanien grosse Verbreitung gefunden, aber nicht nur dort.</p>
<p>Inzwischen macht die massenhaft zum Ausdruck gebrachte Empörung in verschiedenen Ländern Schlagzeilen, denken wir nur an die Occupy-Bewegungen oder an die Empörungs-Bewegungen in Israel oder in Chile.</p>
<p>Selbstverständlich sind die Inhalte der Empörungen nicht in allen Ländern gleich, aber sie werden überall getragen von dem, was wir als eine Art Leidenschaft der Empörung über untolerierbare Zustände bezeichnen können, welche im Zentrum der kleinen Streitschrift von Hessel steht.</p>
<p>Übrigens hat er der kleinen Schrift «Empört euch» vor kurzem ein grosses Interview folgen lassen, welches unter dem Titel «Engagiert euch» erschienen ist.</p>
<p>In diesem Werk kommt die klare Forderung zum Ausdruck, dass «Empörung» allein nicht genügt, um in dieser Welt etwas zu bewegen, dass sie nur der erste Schritt ist und dass ihm unbedingt ein zweiter  folgen muss, nämlich jener des Engagements.</p>
<h3>Wer ist Stéphane Hessel und welches sind die Botschaften, die er vermittelt?</h3>
<p>Er wurde 1917 in Berlin geboren. Seine Familie, der Vater war Jude, zog 1924 nach Paris, wo er 1939 in die Eliteschule École normale supérieure eintrat.</p>
<p>Während des Krieges engagierte er sich in der Résistance-Bewegung, fiel aber in die Hände der Nazis und wurde in das Konzentrationslager Buchenwald gesteckt, aus dem er mit viel Glück durch die Annahme einer neuen Identität fliehen konnte.</p>
<p>Nach dem Krieg wurde er französischer Diplomat und wirkte 1948 mit bei der Formulierung der UNO-Menschenrechtsdeklaration.</p>
<p>1977 wurde er Botschafter für Frankreich bei der UNO in Genf.</p>
<p>In den letzten Jahren engagierte er sich – wohlverstanden als Jude – für die Sache der Palästinenser.</p>
<p>Aus diesem verkürzten Lebenslauf lässt sich leicht verstehen, dass die folgenden Erfahrungen für das beeindruckende lebenslange  Engagement von Hessel von entscheidender Bedeutung sind:</p>
<p>. die französische Résistance gegen die Gefahr des Nationalsozialismus,</p>
<p>. die Erfahrung im Konzentrationslager Buchenwald</p>
<p>. die Mitwirkung bei der Ausarbeitung der UNO-Menschenrechtsdeklaration</p>
<p>Ihm geht es darum, den Menschen von heute von diesen Erfahrungen zu berichten und sie dazu aufzurufen, für den Erhalt der Errungenschaften seiner Generation in der Résistance und im befreiten Frankreich zu kämpfen:</p>
<p>. für die sozialstaatlichen Einrichtungen,</p>
<p>. für die Menschenrechte,</p>
<p>. für die Pressefreiheit.</p>
<p>Die Macht des Geldes – so Hessel – werde heute über alles gestellt und es sei ein Skandal, dass der Abstand zwischen Armen und Reichen noch nie so gross gewesen sei wie heute. Die Diktatur der Finanzmärkte sei derart mächtig, dass sie den Frieden gefährde und die Werte der Demokratie unterlaufe: Grund genug zur Empörung und zum Engagement.</p>
<h3>Welche geistige Haltung steht hinter dem Engagement von Hessel?</h3>
<p>Hessel blickt in seiner Schrift auch auf seine geistige Biographie zurück und weist darauf hin, dass er bei seinen Einsätzen von der Philosophie Jean Paul Sartres – der übrigens einige Jahre vor ihm an der École supérieure studiert hatte – stark beeinflusst wurde.</p>
<p>Von diesem atheistischen Existenzialisten übernahm er die folgende – wie er schreibt – «anarchistische» (p.11) Botschaft, nämlich die, dass es immer um die «Verantwortung des Einzelnen» geht, «ohne Rückhalt, ohne Gott. Im Gegenteil: Engagement allein aus der Verantwortung des Einzelnen.»(p11)</p>
<p>Er kommt auch auf seinen natürlichen Optimismus zu sprechen, der ihn von der Philosophie Hegels fasziniert sein liess.</p>
<p>Hegel versucht der Geschichte einen Sinn zu geben: Sie ist nämlich nach ihm jener dialektische und damit auch mühsame Prozess, der die Freiheit erarbeitet, sodass am Schluss der demokratische Staat entwickelt werden kann.</p>
<p>Dieses Geschichtsverständnis stellt Hessel der pessimistischen These von Walter Benjamin über den Begriff der Geschichte gegenüber; die Geschichte – so Benjamin – sei auf eine Anhäufung von Katastrophen zurückzuführen, auf das Streben nach immer mehr Fortschritt.</p>
<p>Auf Anhieb mag es erstaunen, dass Hessel seine Schrift «Empört euch» mit dem Bild Angelus novus von Paul Klee beginnen lässt.</p>
<p>Erstaunen deswegen, weil dieses Aquarell eng mit der pessimistischen Geschichtsauffassung von Walter Benjamin verbunden ist. Benjamin hat es nämlich im Jahre 1940, seinem Todesjahr, ganz im Sinne seiner Auffassung der Geschichte als einer einzigen Katastrophe gedeutet:</p>
<p>Hessels lebenslange Disposition zum Einsatz für eine bessere Welt ist demnach sowohl psychologisch als auch philosophisch verankert,</p>
<p>. nämlich in seiner persönlichen optimistischen Grundgefühlslage</p>
<p>. in der sartre’schen These vom Engagement als Kern des   Menschseins</p>
<p>. wie auch in der Hegelschen Geschichtsphilosophie.</p>
<h3>Hessels dezidierte Sanftheit</h3>
<p>Der «Tagesanzeiger» vom 28. Oktober 2011 p.19 titelt den Bericht über den Zürcher Auftritt Hessels wie folgt: «Der sanfte Prediger der Menschenrechte»</p>
<p>Leider war ich bei diesem Auftritt nicht dabei, aber nur schon die Texte von Hessel strahlen in der Tat so etwas aus wie Sanftheit. Eine Sanftheit, die sicher in Verbindung zu bringen ist mit der tiefen Überzeugung, dass die Geschichte dann nicht zu einer Katastrophe wird,</p>
<p>. wenn wir auf der einen Seite nicht gleichgültig sind und</p>
<p>. wenn wir beim Einsatz für eine  bessere Welt niemals die Gewalt, sondern immer den Dialog suchen. <!-- ~~ads~~ -->
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<p>Es ist aber auch eine Sanftheit, die sehr bestimmt werden kann, ohne aber je einem ätzenden Moralismus zu verfallen.</p>
<p>Die Dezidiertheit dieser Sanftheit kommt etwa dann zum Ausdruck, wenn er sich mit der Gleichgültigkeit auseinandersetzt .</p>
<p>«Ohne mich», schreibt er, «ist das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann.» (13)</p>
<p>Wer angesichts der heute anstehenden Menschheitsaufgaben – eben: etwa dem stets grösser werdenden Graben zwischen Armen und Reichen oder der noch lange nicht durchgesetzten Ansprüchen der Menschenrechte – gleichgültig bleibe, dem sei «eines der absolut konstitutiven Merkmale des Menschen abhanden gekommen, die Fähigkeit zur Empörung und damit zum Engagement.» (13)</p>
<p>In der komplexen und interdependenten Welt gibt es genug konkrete Situationen, «die» – wie er uns zuruft – «euch veranlassen, euch gemeinsam mit anderen zu engagieren.» (15)</p>
<p>Er selber hat seine Fähigkeit zur Empörung auch im hohen Alter nicht verlernt.</p>
<h3>Hessels klare Stellungnahme in der Palästinenserfrage</h3>
<p>Zwar taucht immer wieder seine «Empörungsgeschichte» auf; etwa, wenn er in die Zeit des Zweiten Weltkrieges zurückblickt, aber empört engagiert er sich auch heute noch für die mehr als 3 Millionen palästinensischen Flüchtlinge, «die» – wie er provozierend schreibt – «in einem Gefängnis unter freiem Himmel» (p.16) leben.</p>
<p>Entrüstet formuliert er, der selber Jude ist, den Satz: «Dass Juden Kriegsverbrechen begehen können, ist unerträglich.»</p>
<p>Angesichts der Palästinafrage werden seine optimistische Geschichtsauffassung und seine Forderung nach Gewaltlosigkeit beinahe brüchig, wenn er resigniert feststellt, dass die Geschichte nicht viele Beispiele von Völkern kenne, «die aus ihrer Geschichte lernen.» (17) oder wenn er die folgende rhetorische Frage stellt:</p>
<p>«Ist es wirklich realistisch zu erwarten, dass ein mit unendlich überlegenen militärischen Mitteln besetzt gehaltenes Volk gewaltlos reagiert?» (17)</p>
<h3>Nur die Gewaltlosigkeit bringt die Geschichte weiter</h3>
<p>Dann aber ringt er sich unter dem Titel «Wir müssen den Weg der Gewaltlosigkeit gehen lernen» (18) zur klaren These durch, dass nur gewaltlose Hoffnung den Gang der Geschichte im Sinne der Menschenrechte, des Friedens und der Demokratie wirksam beeinflussen kann.</p>
<p>Damit distanziert er sich in der Frage der Gewalt sehr klar von Sartre, der sich während Jahren – etwa im Zusammenhang mit dem Algerienkrieg – für die Terroristen stark machte, der aber immerhin gegen Ende seines Lebens von einer harten Gewaltbejahung Abstand nahm.</p>
<p>Hessel setzt seine Hoffnung im Sinne von Nelson Mandela und Martin Luther King auf die Gewaltlosigkeit. Er verurteilt jegliche terroristische Gewalt, weil sie bloss Hass aufbaue und damit neue Zerstörung. Es müsse gelingen,</p>
<p>«dass Unterdrücker und Unterdrückte über das Ende der Unterdrückung verhandeln.» (19)</p>
<h3>Warum entfaltet die Schrift «Empört euch» eine derart grosse Wirkung?</h3>
<p>Man könnte ja beim Stilistischen beginnen. Sie ist kurz und einfach geschrieben: selbst, wenn sie philosophische Themen angeht, bleibt sie schlicht und beinaht formelhaft ohne die Begriffsrabiatheit gewisser Schriften aus den Zeiten der 68-Bewegung.</p>
<p>Aber das kann nur ein Element der Strahlkraft von «Empört euch» sein. Ein anderes, wahrscheinlich das gewichtigere, ist das beinahe Formelhafte in seinem Vortrag. Ich zitiere die «Botschaft der Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld werden lösen können, auf der Grundlage unabdingbarer Rechte, deren Verletzung, von welcher Seite auch immer, unsere Empörung auslösen muss.» (19)</p>
<p>Eine solche Botschaft – mitgeteilt von einem Menschen, dessen Leben    geradezu die glaubwürdig personifizierte Illustration dieser Botschaft ist – muss bei Menschen ankommen,</p>
<p>. welche nicht mehr bereit sind, den Mainstream-Informationen der  Massenmedien blinden Glauben zu schenken und ihren ständigen Konsumaufrufen zu folgen,</p>
<p>. bei Menschen, die nicht mehr bereit sind, wegzuschauen, sondern die sich in irgendeiner Weise engagieren, aber nicht einfach in den Gefässen einzelner Parteien.</p>
<p>Die Politik braucht die Empörungsbewegungen – aber die Empörungsbewegungen brauchen auch die Politik</p>
<p>Das Empörungspotenzial dieser unzähligen Menschen war und ist nicht nur im Umfeld des sogenannten Arabischen Frühlings sehr gross, sondern auch in den USA und in vielen Ländern Europas, selbstverständlich auch bei uns.</p>
<p>In der Tat kommt kein engagiertes gesellschaftsveränderndes Handeln aus ohne gefühlsmässige Betroffenheit.</p>
<p>Natürlich gibt es verschiedene Varianten von solchen gefühlsmässigen Betroffenheiten und die Empörung ist sicher bloss eine von ihnen.</p>
<p>Das Gefühl «Genug ist genug» kann viele – vor allem junge Menschen – auf Strassen und Plätze treiben und das ist im Sinne von Druckerzeugung für politische Veränderungen von grosser Bedeutung.</p>
<p>Die basisdemokratisch und dezentral netzartig organisierten Indignados-Bewegungen, welche sich zum Teil ausdrücklich von den Parteien distanzieren, laufen aber Gefahr, nach einer gewissen Zeit an Schwung zu verlieren, weil ihre Forderungen sehr abstrakt sind.</p>
<p>In der Umsetzung kommt es jedoch auf die Details an, die ihrerseits nur über die Kleinarbeit der Alltagspolitik realisiert werden können.</p>
<p>Für mich sind die einzelnen Bewegungen der Empörung aber trotz der Defizite an Programmatischem von historischer Bedeutung und die Schriften von Hessel haben ihnen eine prominente Stimme gegeben.</p>
<p>Diese bis jetzt meist gewaltlos verlaufenen Bewegungen sind so etwas wie der Aufschrei des kollektiven Gewissens von Gesellschaften,</p>
<p>. die entweder im Bereich des Menschenrechtlich-Demokratischen,</p>
<p>. der Reichtums- und Ressourcenverteilung oder</p>
<p>. des Ökologischen in untolerierbare Defizite hineingeraten sind.</p>
<p>Wenn uns Hessel zuruft «Seht euch um, dann werdet ihr die Themen finden, für die Empörung sich lohnt» (15 ), dann hält er sich an den alten Grundsatz der Ökologiebewegung: «Global denken, lokal handeln».</p>
<p>In diesem Sinne sind Hessels Schriften eine Herausforderung für alle, welche noch – in welcher Intensität auch immer – an eine gute Zukunft glauben.</p>
<p>Meine Damen und Herren, ich schliesse mein Input-Referat mit dem Wunsch, uns mit unserem eigenen Empörungspotenzial – und damit auch mit unserem Potenzial für Ihr eigenes Engagement; nicht mit einem Engagement en général, sondern einem Engagement im konkreten Hier und Jetzt.</p>
<p>Nur, wenn wir Empörung und Engagement zusammensetzen, kann sich der Schlusssatz von Hessels Streitschrift «Empört euch» bewahrheiten:</p>
<h3>«Neues schaffen, heisst Widerstand leisten, Widerstand leisten, heisst Neues schaffen.» (p.21)</h3>
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		<title>Francos Ziehsohn wurde zum Diener der Demokratie</title>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 12:35:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Der selbstbewusste, bürgernahe Monarch weiss, wer er ist: ein Königssohn, kein gewöhnlicher Politiker. «Für einen Politiker», sagte er einmal, «bedeutet das Königsamt eine Berufung, denn er liebt ja die Macht. Für einen Königssohn, wie ich es bin, ist es etwas &#8230; <a href="http://www.hanswidmer.ch/home/97/2011/05/21/francos-ziehsohn-wurde-zum-diener-der-demokratie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der selbstbewusste, bürgernahe Monarch weiss, wer er ist: ein Königssohn, kein gewöhnlicher Politiker. «Für einen Politiker», sagte er einmal, «bedeutet das Königsamt eine Berufung, denn er liebt ja die Macht. Für einen Königssohn, wie ich es bin, ist es etwas ganz anderes. Es geht nicht darum, ob es mir gefällt oder nicht. Ich bin dazu geboren. Und seit meiner Kindheit haben mir meine Lehrer beigebracht, auch Dinge zu tun, die mir nicht gefallen. Im Hause der Bourbonen bedeutet Königsein ein Amt.» (Zitiert nach Paul Preston, Juan Carlos, El rey de un pueblo, Barcelona 2003 p. 13.) Mag stimmen, was er sagt, aber er sagt nicht alles: In der Tat zeichnet ihn ein hohes Pflichtbewusstsein aus, für das er sogar sein Leben riskiert hat. Denken wir nur an jene dramatische Nacht des 23. Februar 1981, als er durch sein mutiges Bekenntnis zur Demokratie Spanien vor einem Rückfall in eine erneute Militärdiktatur bewahrte – ein Ereignis von historischer Bedeutung. (Vgl. dazu Javier Cercas, «Anatomie eines Augenblicks, Die Nacht, in der Spaniens Demokratie gerettet wurde», Frankfurt am Main, 2011.) Denken wir aber auch an all die persönlichen Verzichte und Gehorsamszumutungen, welche dem Königssohn von seinem Vater Don Juan, aber auch von seinem politischen Ziehvater Franco abverlangt wurden: z. B. an die frühe Einweisung in ein strenges Internat in Fribourg oder an die von seinem Vater und von Franco verordneten Ausbildungsjahre in Spanien. Da gab es z. T. unglaubliche Einmischungen in die Privatsphäre. So hielten etwa die Aufpasser von Franco den jungen Juan Carlos davon ab, das Bild einer seiner Jugendfreundinnen auf den Nachttisch zu stellen.</p>
<p><a href="http://www.hanswidmer.ch/home/wp-content/uploads/image.png"><img style="display: inline; border: 0px;" title="image" src="http://www.hanswidmer.ch/home/wp-content/uploads/image_thumb.png" border="0" alt="image" width="175" height="244" /></a> (Foto Andrea Comas, Reuter)</p>
<p><span id="more-97"></span>Grosse Anziehungskraft</p>
<p>Im Leben von Juan Carlos gibt es verschiedene Liebschaften, und es ist bekannt, dass er vor allem in seiner Jugend auf die Frauen eine grosse Anziehungskraft ausübte. Erst in den letzten Jahren hat insbesondere die Sensationspresse ihr Augenmerk auf dieses Kapitel in seiner Vita gelenkt. Es wird sogar von einer Affäre mit Prinzessin Diana gemunkelt, und von zwei unehelichen Töchtern ist die Rede. All das stört jedoch die breite Öffentlichkeit Spaniens kaum, denn diese konzentriert sich auf das Ehepaar Juan Carlos und Sophia. Auch die Königin ist hoch im Kurs, denn ihr schreibt man einen erheblichen Anteil an den Erfolgen ihres Gatten zu. Woher wohl hatte der junge Königssohn die Kraft, die unerträglichen Einmischungen in sein Privatleben zu ertragen und derart lange auf seine Inthronisation zu warten? Ohne ausgeprägte Machtorientierung lässt sich das kaum erklären. «Schon früh deutete Juan Carlos seine Bereitschaft an, sich unter Umgehung der regulären Erbfolge, das hiess: seines Vaters, selbst auf Spaniens Thron berufen zu lassen.» (Walther L. Bernecker, «Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert», München 2010, p.270.)</p>
<p>Pflicht- und Machtbewusstsein</p>
<p>Hätte Juan Carlos nur ein Pflicht-, aber kein ausgeprägtes Machtbewusstsein, er hätte seinen Vater durch seine anpasserischen Arrangements mit Franco nach jahrelangen zähen Auseinandersetzungen nicht dazu gebracht, im Jahre 1977 endlich auf seinen rechtmässigen Thronanspruch zu verzichten. Der Preis für die Krone war hoch: eine immer wieder belastete, aber doch nie endgültig abgebrochene Vaterbeziehung auf der einen sowie gewagte Zugeständnisse an Franco auf der anderen Seite. Rückblickend ist der Spagat zwischen den beiden Vaterfiguren gelungen; allerdings nicht ohne eine Art von zweifachem partiellem Vatermord: Von Franco erbte er die politische Macht, um sie dann später – gegen die Absichten des Diktators – der Demokratie dienstbar zu machen, und seinem Vater hat er gleichzeitig durch sein Ja zum Angebot von Franco die politische Macht weggenommen. Diese Art Raub vermochte er jedoch zu kompensieren, denn es gelang ihm, viele der Ideen seines Vaters realpolitisch umzusetzen</p>
<p>Neue demokratische Wege</p>
<p>Juan Carlos ist nicht nur ein Monarch, der sich in vorbildlicher Pflichterfüllung voll und ganz in das Amt der Monarchie einbringt, er ist ebenso ein kluger Real- und Verantwortungspolitiker mit dem nötigen Gespür für das, was in einer konkreten Situation möglich und machbar ist. Adolfo Suárez, mit dem zusammen er die Voraussetzungen für die neue Verfassung von 1978 gelegt hatte, war für ihn ein Glücksfall, weil dieser Ausnahmepolitiker seine Wurzeln zwar im reaktionären Franquismus hatte, aber bereit war, neue, demokratische Wege zu beschreiten. Durchhaltewillen, politisches Geschick und Glück im Sinne von Machiavellis Fortuna haben es Juan Carlos ermöglicht, das geistige Testament seines Vaters in der politischen Realität zu vollstrecken. Das war ein meisterhafter Spagat des jungen Monarchen: vom Ziehvater Franco den Einstieg in die reale Macht und vom physischen Vater das blaue Blut sowie das Konzept</p>
<p>einer Monarchie im Dienste der Demokratie. Dieser Dienst an der Demokratie zeigte seine Wirkung bis Mitte der Achtzigerjahre vor allem auf der innenpolitischen Ebene. Später kamen vermehrt aussenpolitische Einsätze zum Tragen. In zahlreichen Auslandsreisen knüpfte der König viele Kontakte, die für Spanien sowohl politisch als auch wirtschaftlich von Bedeutung sind. Auf dem Hintergrund der für Spanien und England bedeutsamen Gibraltarfrage, die bekanntlich immer wieder zu Spannungen führt, war es keine Selbstverständlichkeit, dass er im Jahre 1986 vor beiden Häusern des britischen Parlamentes eine Rede halten konnte, nachdem er es noch im Jahre 1981 demonstrativ abgelehnt hatte, an der Hochzeit von Prinz Charles mit Diana teilzunehmen, nur, weil das Paar Gibraltar als die erste Etappe der Hochzeitsreise vorgesehen hatte.</p>
<p>Botschafter in der Welt</p>
<p>Juan Carlos war auch das erste europäische Staatsoberhaupt, welches nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung China besuchte. Für Spanien bedeutsam sind ferner seine intensiven Kontakte zu den verschiedensten lateinamerikanischen Staaten: Legendär wurde sein Wutausbruch am Iberoamerika-Gipfel von Chile im Jahr 2007, als er dem ständig dreinredenden Hugo Chávez mehrmals zurief: Warum hältst du nicht den Mund? Einige Monate später machte Chávez in Mallorca einen Versöhnungsbesuch, der in herzlicher Atmosphäre verlaufen sein  soll. <!-- ~~ads~~ -->
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<p><!-- ~~ads~~ --> Der König von Spanien ist auch bei sehr vielen, auch monarchieskeptischen Spaniern respektiert, und seine Leistungen für die Demokratie – sei es als deren Retter in schwerer Stunde, sei es als deren bester Botschafter in der Welt – finden hohe Anerkennung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(erschienen in: Der Bund, 12.5.2011, S. 10)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Sie brauchen sich, aber sie wollen sich nicht ber&#252;hren</title>
		<link>http://www.hanswidmer.ch/home/7/2011/03/28/sie-brauchen-sich-aber-sie-wollen-sich-nicht-berhren-desktop-software/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 09:21:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hjw</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Wirtschaftsfakultät auch für die Uni? Kaum ist diese Diskussion entbrannt, entflammt sich auch eine Grundsatzdebatte über den Denkplatz Luzern. Und auch über dessen Service public, beispielsweise bei der ZHB. Nicht die Freude über die bald bevorstehende Eröffnung der Uni &#8230; <a href="http://www.hanswidmer.ch/home/7/2011/03/28/sie-brauchen-sich-aber-sie-wollen-sich-nicht-berhren-desktop-software/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Eine Wirtschaftsfakultät auch für die Uni? Kaum ist diese Diskussion entbrannt, entflammt sich auch eine Grundsatzdebatte über den Denkplatz Luzern. Und auch über dessen Service public, beispielsweise bei der ZHB.</strong></h3>
<p><a href="uploads/pics/110228-WAH-UNILU-201-DSC_0195_01.jpg"><img style="background-image: none; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; padding-top: 0px; border-width: 0px;" title="clip_image001" src="http://www.hanswidmer.ch/home/lw-uploads/eb8ea62e7a51_9D0B/clip_image001.jpg" border="0" alt="clip_image001" width="244" height="131" /></a><br />
<span style="font-size: x-small;">Nicht die Freude über die bald bevorstehende Eröffnung der Uni beim Bahnhof (Bild) prägt sechs Wochen vor dem Wahltag die bildungspolitische Debatte&#8230;<br />
</span><a href="uploads/pics/HSLU-101-DSC_0064.jpg"><img style="background-image: none; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; padding-top: 0px; border-width: 0px;" title="clip_image002" src="http://www.hanswidmer.ch/home/lw-uploads/eb8ea62e7a51_9D0B/clip_image002.jpg" border="0" alt="clip_image002" width="244" height="150" /></a><br />
<span style="font-size: x-small;">&#8230;, sondern die Frage, ob eine eigene Uni-Fakultät für Wirtschaftswissenschaften die Hochschule für Wirtschaft an der Zentralstrasse (Bild) konkurrenzieren soll.<br />
</span><em><span style="font-size: xx-small;">Bilder: Herbert Fischer</span></em></p>
<p>Die Entwicklung des tertiären Bildungs- und Forschungsraumes in der Zentralschweiz ist eine Erfolgsgeschichte. Wer hätte sich vor gut 10 Jahren vorstellen können, dass in Luzern über 7000 junge Menschen ein Studium absolvieren und dass weit mehr als tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Tertiärstufe unseres Bildungssystems ihren Arbeitsplatz finden würden? Eine Wirtschaftsfakultät auch für die Uni?</p>
<p><strong>Denkplatz Luzern ist nicht allein Sache der Regierung</strong></p>
<p>Eine solche Erfolgsgeschichte darf insbesondere den Kanton Luzern und seine Regierung nicht vergessen lassen, dass viele Akteure daran beteiligt sind: <span id="more-7"></span>die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zuallererst, aber auch – im Fachhochschulbereich – die Konkordatskantone. Keinesfalls ausser Acht zu lassen ist zudem der Bund, der nicht nur dank seiner verschiedenen Beiträge eine grosse Rolle spielt, sondern auch in seiner Funktion als akkreditierende Behörde.</p>
<p>Eine wahre Pionierzeit beim Aufbau der tertiären Bildungsinstitutionen liegt hinter uns. Nun ist die Zeit der Konsolidierung und des vorsichtigen Weiterbauens angebrochen. Gefragt sind mehr denn je die politischen Tugenden des Respekts und der Sinn für das Machbare.</p>
<p><strong>Potenzial der Zusammenarbeit keineswegs erschöpft</strong></p>
<p>Was hat denn hier «Respekt» zu suchen? Hochschule und Universität haben vermehrt Rücksicht aufeinander zu nehmen. Es darf nicht vergessen werden, dass beide zwar andersartig, aber eben doch gleichwertig sind. Nur, wenn sie das nicht übersehen, kann das Potenzial vermehrter Zusammenarbeit, das sicherlich noch nicht ausgeschöpft ist, besser genutzt werden, weit ausgiebiger jedenfalls als dies heute über das noch sehr papierene Medium der Campus-Idee passiert. Den Angehörigen der Universität rufe ich zu: Streift Eure Berührungsängste ab, wenn es darum geht, kreative Projekte mit Ansätzen der anwendungsorientierten- und grundlagenorientierten Forschung gemeinsam an die Hand zu nehmen oder noch vermehrt – dort, wo es möglich ist – Gefässe gemeinsamer Wissensvermittlung zu schaffen.</p>
<p><strong>Schreckgespenst Gesamthochschule</strong></p>
<p>Überwindet endlich die Angst vor dem sozialistischen Schreckgespenst einer Gesamthochschule aus den 60-ger Jahren, denn ein solches Gebilde ist schon von der Organisationsstruktur her hier und heute gar nicht möglich. Wünschbar ist es schon gar nicht, denn der heutige Ansatz im schweizerischen tertiären Bildungssystem lebt eben gerade auch vom gesetzlich verankerten Bekenntnis zur Andersartigkeit.</p>
<p>Nachdem ich mit meinem Aufruf zur Zusammenarbeit die Gleichwertigkeit in den Fokus genommen habe, will ich jetzt die Bedeutung eben dieser Andersartigkeit betonen und da rufe ich den Angehörigen der Hochschule zu: Fühlt Euch niemals minderwertig, weil ihr die Praxisnähe in der Lehre und die Anwendungsorientierung in der Forschung als Kernelement Eurer Marke mit Euch führt.</p>
<p>Wenn wir uns wiederum auf den Grundsatz «gleichwertig, aber andersartig» besinnen, dann verliert die Debatte um die Frage «Wirtschaftsfakultät an der Universität – ja oder nein?» zwar nicht an Bedeutung, wohl aber an Dramatik. Es geht nämlich bei der Beantwortung dieser Frage nicht um Sein oder Nicht-Sein der Universität oder der Fachhochschule. Wie immer der Entscheid «Wirtschaftsfakultät ja oder nein?» auch herauskommen mag: Beide Institutionen der tertiären Bildungsstufe werden als einzelne Grössen überleben, falls die Finanzierung stimmt.</p>
<p><strong>Kostenrahmen von 20 Millionen Franken</strong></p>
<p>Und genau da stellt sich die Frage des politisch Machbaren. Wenn ein Experte wie der ehemalige Bildungsdirektor des Kantons Zürich von einem möglichen Kostenrahmen von etwa 20 Millionen spricht, dann muss sich die Regierung tatsächlich fragen, ob sie mit der Zustimmung der StimmbürgerInnen den nächsten Schritt einer Wirtschaftsfakultät an der Universität wirklich wagen darf; eine Regierung, die sich in der Bibliotheksplanung kaum durch Mut ausgezeichnet hat; eine Regierung, die mit ihrer beinahe abenteuerlichen Politik im Zusammenhang mit der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) gegenüber den Konkordatskantonen alles andere als eine glückliche Hand hatte.</p>
<p><strong>Nachhaltige Ohrfeige an die ZHB-BenützerInnen</strong></p>
<p>Politisch machbar wäre eine Wirtschaftsfakultät an der Universität nur dann, wenn es der Regierung gelingen würde, für den geplanten Schritt die Fachhochschule zusammen mit den Konkordatskantonen an Bord zu holen, was allerdings niemals möglich sein dürfte, wenn die Fachhochschule nicht auch – durch irgendwelche Konzessionen – zu den Gewinnern gehören würden.</p>
<p>Aber nicht nur die Fachhochschule gälte es im Zusammenhang mit der politischen Machbarkeit zu gewinnen. Sondern auch all jene Bevölkerungsschichten, welche bildungsorientiert sind und zum Beispiel eine Institution wie die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) immer wieder eifrig benutzen. Ihnen hat man – zusammen mit dem Kantonsrat – eine nachhaltig wirkende Ohrfeige verpasst, indem man die seit Jahren geplanten Renovationsarbeiten von einem Tag auf den andern herausgeschoben hat.</p>
<p><strong>Nach der Pionierphase droht Phase der Stagnation</strong></p>
<p>Strategieabsichten wie die Errichtung einer Wirtschaftsfakultät sind das eine, das Schaffen von Rahmenbedingungen, welche die politische Akzeptanz dafür schaffen, ist das andere. Wenn in der kommenden Legislatur nicht sorgfältig an der Konsolidierung des Bildungsraumes Zentralschweiz gearbeitet wird, wenn nicht endlich dem unseligen Rivalisieren der beiden tertiären Bildungsinstitutionen Universität und Fachhochschule ein Ende gesetzt wird, dann wird der Pionierphase, die ich eingangs beschrieben habe, eine Phase der Stagnation folgen. Und das ist der in vielen Bereichen so dynamischen Region Zentralschweiz wirklich nicht zu gönnen.</p>
<p>Einmal mehr gilt auch in diesem Zusammenhang der Leitsatz: «Nur gemeinsam sind wir stark». Ohne vertieften Dialog zwischen Universität und Fachhochschule erleiden beide Seiten Schaden, denn es gibt in der Bevölkerung mit Sicherheit Stimmen, die sich darüber freuen, wenn sich die sogenannten Bildungseliten öffentlich streiten. Wie heisst es doch so schön: wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.</p>
<p><strong>Hoffnung auf neues Parlament und neue Regierung</strong></p>
<p>Damit nicht lachende Dritte in den nächsten Jahren die Dynamik im Bereich der tertiären Bildung in unserer Region ausbremsen können, bedarf es einer vermehrten Koordination zwischen allen Akteuren und es bedarf einer klugen Symbolpolitik, welche stets die Sensibilität der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, aber auch der Konkordatskantone vor Augen hat. Das bereits angedeutete unglückliche Agieren der Regierung im Zusammenhang mit der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, der unverständliche Abbau des Service public im Falle der Zentral- und Hochschulbibliothek, aber auch die mehr oder weniger öffentlich ausgetragenen Differenzen zwischen der Universität und der Fachhochschule zeigen eines: So kann es auf die Dauer nicht funktionieren. Was es braucht, ist eine gemeinsame und klug kommunizierende Lobby, die sich nicht in erster Linie entweder für die Universität oder für die Hochschule einsetzt, sondern für den tertiären Bildungs -und  Forschungsraum Zentralschweiz. <!-- ~~ads~~ -->
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<p>Ich hege die Hoffnung, dass es in der neuen Regierung und im neuen Kantonsrat genügend Kräfte geben wird, welche dieser bildungspolitischen Perspektive zum Durchbruch verhelfen.</p>
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		</item>
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		<title>Qualifikation der Unterrichtenden an Schulen mit gymnasialer Maturität</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 15:54:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mip</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Anfrage im Nationalrat Im Zusammenhang mit dem Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen: Welches sind die Anforderungen an die Qualifikation von Lehrpersonen, die an Schulen mit gymnasialer Maturität unterrichten und Matura-Prüfungen durchführen? Ueber welchen fachlichen Abschluss (anerkannten Titel)  &#8230; <a href="http://www.hanswidmer.ch/home/63/2011/03/19/qualifikation-der-unterrichtenden-an-schulen-mit-gymnasialer-maturitat/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anfrage im Nationalrat </strong></p>
<p>Im Zusammenhang mit dem Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p>
<ol>
<li>Welches sind die Anforderungen an die Qualifikation von Lehrpersonen, die an Schulen mit gymnasialer Maturität unterrichten und Matura-Prüfungen durchführen?
<ol>
<li>Ueber welchen fachlichen Abschluss (anerkannten Titel)  haben sie zu verfügen?</li>
<li> Ueber welchen didaktischen Abschluss (anerkannten Titel) haben sie zu verfügen?</li>
<li>Was unternimmt der Bund, um im Dossier ‚Qualifikation von Lehrpersonen an Schulen mit gymnasialer Maturität‘ eine grössere Einheitlichkeit und Transparenz zu gewährleisten?</li>
</ol>
</li>
</ol>
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		</item>
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		<title>Bildung &#8211; Ausbildung</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 13:37:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hjw</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Vortrag von Hans Widmer vom 5.12.2008, gehalten an der Universität Bern vor den Rektoren allgemein bildender Schulen Mein Damen und Herren, ich möchte meine Ausführungen entlang der folgenden Fragestellungen darlegen. Frage 1: Was soll unter Bildung und was unter Ausbildung &#8230; <a href="http://www.hanswidmer.ch/home/57/2011/03/18/bildung-ausbildung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vortrag von Hans Widmer vom 5.12.2008, gehalten an der Universität Bern vor den Rektoren allgemein bildender Schulen</strong></p>
<p>Mein Damen und Herren, ich möchte meine Ausführungen entlang der folgenden Fragestellungen darlegen.</p>
<p>Frage 1: <strong><em>Was soll unter Bildung und was unter Ausbildung verstanden werden? </em></strong></p>
<p>Frage 2: <strong><em>Wie steht es in der heutigen Bildungs- und Ausbildungslandschaft um das Verhältnis zwischen Bildung und Ausbildung?</em></strong></p>
<p>Frage 3: <strong><em>Soll das Verhältnis so bleiben oder ist eine Veränderung angesagt? </em></strong></p>
<hr />
<p><span id="more-57"></span>Zur Frage 1: Was soll unter Bildung und, was unter Ausbildung verstanden werden?</p>
<p>Eine <strong>profunde Beantwortung dieser Frage</strong> würde uns eigentlich ausführliche Exkurse in die faszinierende Welt philosophischer und pädagogischer Theorien abverlangen.</p>
<p>Darauf ist leider aus zeitlichen Gründen  zu verzichten. <!-- ~~ads~~ -->
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<p>So halte ich mich denn an eine kurze Umschreibung der beiden Begriffe ‚ Bildung‘ und ‚Ausbildung‘, wie sie der bekannte Philosoph <strong>Peter Bieri</strong> in einem Vortrag an der Fachhochschule Bern formuliert und vertieft hat:</p>
<p>Bildung ist für ihn <strong>ein Wert in sich</strong>, sie ist etwas, das Menschen <strong>mit sich</strong> und <strong>für sich</strong> machen.</p>
<p>Man arbeitet daran, <strong>etwas zu werden</strong>,</p>
<p>man strebt danach, auf eine bestimmte Art und Weise <strong>in der Welt zu sein</strong>.</p>
<p>Es geht <strong>im Einzelnen</strong> bei diesem Vorgang um Orientierung, Aufklärung und Selbsterkenntnis, um Phantasie, Selbstbestimmung moralische Sensibilität usw.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ausbildung </strong>dagegen ist stets an einem <strong>Nutzen </strong>orientiert: Man erwirbt ein Know-how mit dem Ziel, <strong>etwas zu können</strong>, um damit etwas zu erreichen,</p>
<p>Diese beiden Umschreibungen sind eigentlich plausibel und bedürfen kaum eines weiteren Kommentars.</p>
<p>Allerdings kann es dann zu Schwierigkeiten kommen, wenn man sie in der Bildungspolitik sozusagen <strong>unter einem gemeinsamen Dach</strong> von der Theorie in die Praxis überzuführen hat.</p>
<p>Damit wir definitorisch klar kommen, müssen wir neben den im Sinne von Peter Bieri umschriebenen Begriffen ‚Bildung’und ‚Ausbildung‘ <strong>einen dritten</strong> <strong>Terminus </strong>einführen, der jene Wirklichkeit auf den Begriff bringt, welche ich soeben mit dem Bild vom gemeinsamen bildungspolitischen Dach angedeutet habe.</p>
<p>Gemeint ist dann die Einflussnahme staatlicher oder anderer öffentlicher Institutionen auf Individuen, die sich unter Zwang – während der obligatorischen Schulzeit- oder freiwillig in der nachobligatorischen Phase -Lernprozessen unterziehen.</p>
<p>Diese <strong>Einflussnahme </strong>wird durch Systeme, Strukturen, Prozeduren und programmatische Vorstellungen gesteuert, welche unter der Etikette ‚<strong>Bildungspolitik‘</strong> identifiziert werden können.</p>
<p>Der Ausdruck ‚ Bildung‘ in diesem Zusammenhang</p>
<p>versteht sich gleichsam als <strong>‚Dach</strong>‘ <strong>über </strong>dem emphatischen Begriff ‚Bildung‘ im Sinne von Peter Bieri und dem von ihm skizzierten Begriff ‚Ausbildung‘.</p>
<p>Wenn wir uns nicht darüber klar werden, dass dieses ‚gemeinsame Dach‘ <strong>auf einer anderen Ebene</strong> ist als das, was von ihm überdacht wird, nämlich die ‚Bildung‘ und ‚ Ausbildung‘ im engeren und eigentlichen Sinne, dann kommt es zu <strong>Scheindisputen</strong> zwischen jenen, welche den bildungspolitischen Akteuren vorwerfen, sie würden entweder einseitig nur ‚Bildung‘ oder ebenso einseitig nur ‚Ausbildung’betreiben.</p>
<p>Der Begriff ‚Bildung‘ <strong>im Zusammenhang mit ‚Bildungspolitik</strong>‘ bezeichnet – sozusagen auf einer Metaebene- einen organisatorischen Auftrag, nämlich den, mit den nötigen finanziellen, organisatorischen und programmatischen Ressourcen dafür zu sorgen, dass Lernende sich bilden können und dass sie ausgebildet werden.</p>
<p>Diese begriffliche Differenzierung macht deutlich, dass die bildungspolitischen Akteure auf der einen Seite und die Erziehenden sowie die Lehrenden auf der anderen Seite <strong>ganz andere Aufgaben</strong> zu erfüllen haben.</p>
<p>Die bildungspolitischen Akteure sind eigentlich nichts anderes als die <strong>organisatorischen Dienstleister</strong>, welche dafür zu sorgen haben, dass strukturorientierte sowie programmatische Ressourcen und Gefässe bereitgestellt werden, die Bildungs- und Ausbildungsprozesse ermöglichen und zwar <strong>in einem ausgewogenen Verhältnis</strong>.</p>
<p>Mit ausgewogen meine ich den <strong>begründeten Anspruch</strong>, dass beide Elemente, das Bildungs- genauso wie das Ausbildungselement ermöglicht werden sollen.</p>
<p>Begründet ist ein derartiger Anspruch letzlich in der ‚<strong>conditio humana</strong>‘. Diese charakterisiert sich dadurch, dass der Mensch als Individuum seine Innerlichkeit ernstzunehmen,auszubilden und zum Ausdruck zu bringen hat, dass er aber niemals überleben kann, ohne harte Arbeit und Gestaltung der Welt.</p>
<p>Die emphatische Bildung konzentriert sich vor allem auf die angesprochene Welt der Innerlichkeit und auf den Ausdruck derselben, während die Ausbildung mit ihrer Zielgerichtetheit und ihrer Nützlichkeitsorientierung das Feld der Weltgestaltung und der Arbeitswelt anvisiert.</p>
<hr />
<p>Nach diesen begrifflichen Präzisierungen möchte ich <strong>mich der 2.Frage auseinandersetzen:sie lautet</strong> : Wie steht es in der heutigen Bildungs- und Ausbildungslandschaft um das Verhältnis zwischen Bildung und Ausbildung?</p>
<p>Oder präziser: wie gestaltet die heutige Bildungspolitik mit ihren Steuerungsinstrumenten das Verhältnis zwischen Bildung und Ausbildung?</p>
<p>Die Antwort muss ich leider <strong>mit kritischen Bemerkungen</strong> beginnen.</p>
<p>Die Bildungsadministrationen haben ihren <strong>Auftrag nur teilweise erfüllt</strong>, weil sie sich zu sehr vom ökonomisch dominierten <strong>Paradigma des Nützlichkeitsdenkens</strong> haben leiten lassen.</p>
<p>Selbstverständlich- und deswegen betone ich, dass sie den Auftrag nur teilweise erfüllt hätten – haben sie einen Teil des Auftrages hervorragend erfüllt: sie haben nämlich die Ausbildung gut bewirtschaftet und sie bedienen rationale Steuerungssysteme, welche mit den ökonomischen Mitteln, welche ihnen zur Verfügung stehen, einigermassen sparsam und transparent umgehen.</p>
<p>Aber sie haben sich trotzdem zu sehr nur an diesem Paradigma orientiert. Insofern haben sie im eigentlichen Sinne einen <strong>Entfremdungsprozess </strong>zu verantworten.</p>
<p>Sie haben sozusagen vergessen, dass sie nicht nur dem Ausbidlungsparadigma zu dienen haben. Ihre Steuerungssystem, ich denke z.B. an den ganzen Ratings- Evalutations- und Qualitätssicherungskult kommen gar nicht an die Kernelemente der emphatischen Bildung heran, weil diese nicht zähl- und messbar sind und weil sie nicht einfach standardisier- und damit auch nicht testbar sind.</p>
<p>Es wäre <strong>nicht fair</strong>, die Schuld für den angedeuteten Entfremdungsprozess einzig und allein den Bildungsbürokratien anzulasten. Auch die <strong>Bildungspolitik im engeren Sinne</strong> muss sich Asche aufs Haupt streuen.</p>
<p>Wenn ich mich daran zurückerinnere, wie problemlos z.B. der Wettbewerbsgedanke und der Drittmittelbeschaffungsauftrag in die Universitätsgesetze hineingekommen sind, dann zeigt das klar, dass <strong>das neoliberale Gedankengut</strong> während Jahren den bildungspolitischen Zeitgeist – über alle Parteien hinweg- geprägt hat.</p>
<p>Dabei hatte dieses Gedankengut durchaus auch seine <strong>positiven Seiten</strong>. Mehr Effizienz und Effektivität bei der Reorganisation von z.T. veralteten Strukturen, war in vielen Fällen heilsam und nötig, denn dem Staat in der globalisierten Wissensgesellschaft erwuchs innert weniger Jahre die beinahe unlösbare Aufgabe, stets wachsende Zahlen von Auszubildenden und Studenten in das Bildungssystem zu integrieren. Und dies nicht mit einem entsprechend grösser werdenden Etat.</p>
<p>Ohne einen marktwirtschaftlich inspirierten Impetus hätten wir im Ausbildungsbereich –ich denke da z.B. auch an <strong>die Zusammenlegungen im Fachhochschulbereich-</strong> ohne solche wirtschaftlich bedingte erfolgreiche Anstrengungen hätte unser Land sicher in vielen Ausbildungsbereichen nicht den Stand, über den es sich heute freuen kann, weil es gerade auf diesem Gebiet den Vergleich mit den Nachbarländern nicht zu scheuen braucht.</p>
<p>Wo aber – wenn doch alles so positiv zu sein scheint,- hat dann der oben erwähnte Entfremdungsprozess stattgefungen und warum?</p>
<p><strong>Das ökonomische Paradigma hat überbordet und ist übergeschwappt in einen Bereich, wo es nicht hingehört</strong>.</p>
<p>Dies ist nicht auf dem direkten Weg passiert, sondern über die Organsation von Bildungs- und Ausbildungsprozessen. Es kam z.B. zu Kürzungen bei den <strong>Gymnasien.</strong> Solche Kürzungen wurden als Reformen verkauft. In Tat und Wahrheit waren es Sparübungen auf Kosten von Gefässen,welche vor allem der Bildung und nicht nur der Ausbildung Raum geben.</p>
<p>Aber auch im Bereich der Berufsbildung gab es Uebergriffe des ökonomischen Denkens hinein in die Domäne von Bildungsräumen.</p>
<p>Man hat z.B. ‚weiche‘ Fächer – an den Universitäten sprach man von Orchideenfächern- zwar nicht einfach abgeschafft, sondern in Fächernetzwerke integriert, oder man hat sie in den Fakultativbereich überführt.</p>
<p>Es gibt im Zusammenhang mit den sogannten Bildungsstandards die Tendenz, nur harte Fächer zu standardisieren und dann auch zu testen. Wohin führt das? Tendenziell <strong>in einen Zweiklassenfächerkanon</strong>.</p>
<p>Man wird mir sagen, dass es schon immer Nebenfächer gegeben hat. Das stimmt. Jedoch ist heute der Druck von den Kernfächern auf die übrigen Angebote enorm gross geworden.</p>
<p>In diesem Zusammenhang muss man sich fragen, welche Langzeitfolgen ein solcher Prozess haben kann. Welche Konsequenzen könnten sich zeigen, wenn z.B. bei der Ausbildung im Bereich Buchhandel die Förderung der Sprachkompetenz heruntergefahren wird, oder, wenn man dem Fach Geschichte die Bedeutung nehmen will?</p>
<p>Dann <strong>enthält</strong> man den von diesen Kürzungen Begtroffenen schlicht und einfach <strong>ein Stück Bildung zugunsten von Ausbildung vor</strong>. Das ist auf die Dauer nicht unproblematisch. In diesem Zusammenhang möche ich ihnen ein Zitat des spanischen Kulturphilosohen Ortega y Gasst aus seinem berühmten Werk der Aufstand der Massen nicht vorenthalten:</p>
<p>„Der Spezialist ist nicht <strong>gebildet;</strong> denn er kümmert sich um nichts, was nicht in sein Fach schlägt. Aber er ist auch <strong>nicht ungebildet</strong>; denn er ist ein Mann der Wissenschaft und weiss in seinem Weltausschnitt glänzend Bescheid.</p>
<p>Wir werden ihn einen <strong>gelehrten Ignoranten</strong> nennen müssen, und das ist <strong>eine überaus ernste Angelegenheit</strong>; denn es besagt, dass er sich in allen Fragen, von denen er nichts versteht, mit der ganzen Anmassung eines Mannes aufführen wird, der in seinem Spezialgebiet eine Autorität ist.“</p>
<p><strong>Ortega y Gasset, 1883-1955) Aufstand der Massen (die Barbarei des Spzialistentums)</strong></p>
<p><strong>Der Uebergriff des rein ökonomischen Paradigmas</strong> hinein in den Bildungsbereich <strong>ist schleichend</strong> passiert. Wie gesagt,sind nicht nur Bildungsbürokratie und die Bildungspolitik daran schuld.</p>
<p>Auch die direkt am Bildungsprozess Beteiligten, Lehrer und Eltern geraten in die Kritik. Warum? <strong>Sie haben sich zu wenig wirksam gewehrt</strong>. Was meine ich damit? Sie liessen sich durch das Diktat von oben <strong>einschüchtern.</strong></p>
<p>Auch haben sie sich <strong>aufspalten </strong>lassen, ohne genügend dafür unternommen zu haben, <strong>gemeinsam aufzutreten</strong> und in den für sie unverhandelbaren Themen in aller Härtre aufzutreten.</p>
<p>Die Bildungsbürokratie war daher immer wieder <strong>am längeren Hebel</strong>, weil sie auf der Klaviatur systemtheoretisch fundierter prozeduraler Steuerungsinstrumente spielen konnte und laufend ein Feintunig beim Verändern von Strukturen durchführte, derweil die direkt im Bildungsprozess involvierten Lehrenden entweder von der eigenen Betroffenheit oder von gruppendynamaischen Prozessen gesteuert wurden. Aus diesen Gründen kam es kaum zu grösseren Protestbewegungen: zwar wurde in den Lehrerzimmern viel gemozzt und ausgerufen. Oder es kam zu eigentlichen Spaltungen, zwischen den Fortschrittsgläubigen und der Bewahrern. Zu den ersten gehörte die jüngere Generation, zu den zweiten ältere Semester. Auch gelang es den Bildungsbürokratien ausgezeichnet, nur jene in Leitungspositionen aufsteigen zu lassen, welche sich voll und ganz hinter alle Neuerungen stellten. Ein gekonntes ‚divide et impera‘ führte dazu, dass sich mit der Zeit der Glaube an eine Pädagogik durchsetzte, welche die Kriterien des Messens und Zählens und des Selektionierens über alles stellte und darob die Bildung,welche im eingangs skkizzierten emphatischen Sinne die Innerlichkeit betrifft, an den Rand drängte.</p>
<p>Was soll ich erst von den Schülergenartionen sagen? Ein rebellisches Potenzial war seit der Dominanz des ökonomischen Paradigmas kaum auszumachen. Vielmehr wuchs eine Gereation heran, welche 5 Tage die Woche brav schuftete und entweder Noten oder Crédits einheimste, um sich über das Wochenende den Anliegen des Gefühls zuzuwenden.</p>
<p>Mit diesen pointierten Aeusserungen riskiere ich, von Ihnen als ein Kulturpessimist eingestuft zu werden. Das bin ich aber überhaupt nicht: ich stelle nur in provokativer Manier fest, dass die Bildungspolitik im Umgang mit der ökonomisch dominierten globalisierten Wissensgesellschaft zwar zu einem Teil ihre Aufgabe wahrgenommen hat, dass es ihr aber nicht gelungen ist, den anderen Teil , nämlich den eigentlichen Bildungsauftrag aus der genuinen Perspektive von Bildung im emphatischen Sinne heraus</p>
<p>wahrzunehmen,,jenen Bildungsauftrag, der im Horizont des rein ökonomischen Paradigmas nicht zu bewältigen ist.</p>
<p>Alle Akteure haben diese Fehlsteuerung mitgemacht, die Bildungsbürokratie und die am Bildungsprozess direkt Beteiligten. Das hat zu einer nicht mehr ausgewogenen Aufteilung zwischen Bildung aus Ausbildung geführt, womit ich die Frage 2 skizzenhaft beantwortet habe.</p>
<p>Ich komme nun zur Frage 3. Sie lautet: <strong><em>Soll das Verhältnis so bleiben oder ist eine Veränderung angesagt? </em></strong></p>
<p>Auf einer allgemein abstrakten Ebene lässt eine Antwort nicht lange auf sich warten: selbstverständlich ist Aenderung angesagt. Das unausgewogene Verhältnis ist möglichst rasch zu korrigieren. Der Bildung muss wieder mehr Platz eingeräumt werden. Das heisst aber nicht dass ich davon träume, das weltfremde Gymnasium der 50iger Jahre wieder aufleben zu lassen. An jener Institution war nämlich die Bildung zu einem Wasserkopf geworden, der die Anliegen der Praxis und der Arbeitswelt gar nicht erst hat heranwachsen lassen.</p>
<p>Die Geschichte ist irreversibel und das ist gut so. Das gilt auch für die ganze Boildungspolitik. Für mich ist sie ein dialektischer Prozess. Die These der weltfremden Bildungseliteschulen für einige Wenige wurde abgelöst durch die Antithese einer wirtschaftgängigen, aber bildungsarmen Bidlungs- und Ausbildungslandschaft. Die Synthese müssen wir Heutigen erfinden und die Zeit ist günstig. Denn die Hintegrundkulisse, welche zur Dominanz des ökonomischen Paradigmas geführt hat, ist durch die Finanzkrise ins Wanken geraten. Diese Krise bereitet – zwar für uns alle ungewollt und schmerzhaft,- den Boden für Fragestellungen, die nicht mehr nur durch die Kriterien der Effizienz, der Effektivität und der Verwertbarkeit bestimmt werden.</p>
<p>Andere Fragestellungen greifen im Bewusstsein vieler Menschen und hoffentlich auch im Bewusstsein von allen Akteuren des Bildungsbereiches. Solche Fragen sind etwa: was denn reales Glück ist und nicht nur virtueller Buchwert oder worin der Sinn des Lebens liegt usw. Das sind Themen, die nicht mehr auf dem Niveau von Multiplechoice getestet werden können, sondern für die es den Innenraum dessen braucht, was ich als Bildung im emphatischen Sinne von Peter Bieri bezeichnet habe.</p>
<p>Für diese Bildung muss unser System mehr Raum schaffen. Das ist meine Antwort auf die Frage 3. Sie ist nur eine abstrakte Andeutung.</p>
<p>Sie zu konkretisieren und operativ werden zu lassen, das wird die Aufgabe all jener sein, welche in rgendeiner Weise in den Bildungsbereich involviert sind. Letztlich wird die angedeutete Synthese nur dann gelingen, wenn durch die ganze Gesellschaft so etwas wie ein Ruck geht, ein Ruck, der das ökonomische Paradigma zwar nicht einfach verdrängt, sondern der daneben das Bildungsparadigma ernster nimmt als dies in den letzten 2o Jahren der Fall war;diesen Ruck braucht es, wenn die Begriffe von Sinn und Identität wieder vermehrt zum Erlebnis der einzelnen Idividuen gemacht werden sollen</p>
<p>Diese Aufwertung wird eine Bereicherung sein, denn sie wird die Ausbildung im Sinne der Weltgestaltung nicht verdrängen, sondern ihr allenfalls vermehrt kreative und neugierige Menschen zuführen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Vom Umgang mit dem Zweifel in der Politik</title>
		<link>http://www.hanswidmer.ch/home/53/2011/03/18/vom-umgang-mit-dem-zweifel-in-der-politik/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 13:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hjw</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Philosophische Ueberlegungen (Juli 2007) im Zusammenhang mit den politischen Diskussionen und Vorgängen auf Bundesebene Wenn man diesen Titel anders formulieren müsste, könnte er auch lauten: ‚Vom Umgang mit der philosophischen Denkungsart in der Politik’. Wenn man ferner bei politisch aktiven Menschen &#8230; <a href="http://www.hanswidmer.ch/home/53/2011/03/18/vom-umgang-mit-dem-zweifel-in-der-politik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Philosophische Ueberlegungen (Juli 2007) im Zusammenhang mit den politischen Diskussionen und Vorgängen auf Bundesebene</strong></p>
<p>Wenn man diesen Titel anders formulieren müsste, könnte er auch lauten: ‚Vom Umgang mit der philosophischen Denkungsart in der Politik’. Wenn man ferner bei politisch aktiven Menschen eine Umfrage machen würde, was sie von einem solchen Titel halten, dann hätten wohl mehr als 50% Mühe damit, weil sie ihn als zu theoretisch, eben als zu philosophisch hielten.</p>
<p>Ist nicht die Politik reine Praxis, würden wohl viele Vertreterinnen und Vertreter aller Parteien sagen. Einige wären vielleicht etwas grosszügiger und würden bemerken, dass politische Programme ja auch Theorie seien und dass eine rein praktische Politik ohne  wissenschaftliche Politologie auf die Dauer etwas gar schmalbrüstig herauskommen könnte.</p>
<p><span id="more-53"></span>In der Alltagspolitik hat die Philosophie – und dies nicht ganz zu Unrecht- wenig Bedeutung, denn das Pragmatische muss den Vorrang haben, geht es doch darum, ganz konkrete Probleme zu lösen: etwa im Bereich der Sozialversicherungen oder bei Fragen der Verkehrspolitik.</p>
<p>Leider geht aber häufig vergessen, dass die Alltagspolitik nicht ein System ist, das in sich selber ruht. Wer dies behauptet, ist kurzsichtig, denn er oder sie vermag nicht zu sehen, dass das System ‚Alltagspolitik’ verhängt ist mit vielen anderen Systemen, wie z.B. mit denjenigen wirtschaftlicher, kultureller oder weltanschaulich-religiöser Modellvorstellungen. Wer also die Alltagspolitik als ein in sich geschlossenes System wahrnimmt und als ein solches zu steuern versucht, ist einem Ballonfahrer zu vergleichen, der sich nur mit dem Aufblasen der Ballonhülle befasst und vergisst, den Korb und die dazu gehörenden Gewichte anzuhängen: eine Vorstellung, die wahrlich Angst machen kann, denn die nicht mehr geerdete Heissluftkugel würde orientierungslos und von Windströmungen getrieben am Firmament verschwinden.</p>
<p>Wenn wir den Betrieb der Alltagspolitik- das Verfertigen von Gesetzen und das Begründen von Finanzbeschlüssen mit einem Handwerksbetrieb -etwa mit einer Schreinerei- vergleichen, dann stehen für die in der Schreinerwerkstatt Tätigen die Maschinen bereit und auch das Holzlager ist verfügbar: nun kann es losgehen mit dem Entgegennehmen von Aufträgen und deren Realisierung.</p>
<p>Was die beiden Bilder, das vom orientierungslosen Heissluftballon und das von der eingerichteten Schreinerwerkstatt mit der im Titel vorgezeichneten Fragestellung zu tun haben, das soll anhand von zwei abstrakten Thesen und deren Erläuterung dargelegt werden.</p>
<p>Diese beiden Thesen verorten das Politische im Spannungsfeld von Theorie und Praxis und sie bringen zum Ausdruck, dass eine qualitativ hochstehende, weil dem Wesen des Menschen gerecht werdende Politik sich stets in einem labilen Gleichgewicht zwischen den beiden bestimmenden Polen von Theorie und der Praxis einmitten wird.</p>
<p>Von welchem Pol eine bestimmte Politik mehr angezogen wird, von der Theorie oder von der Praxis, das hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab: z.B. von der politischen Tradition oder auch von der Persönlichkeitsstruktur und von der Ausbildung derjenigen, welche die Politik gestalten.</p>
<p>Aber eines darf wohl nie fehlen, es sei denn, man begnüge sich mit einer Verstümmelung des Politischen, mit einer Engführung, welche das Feld des Politischen derart eingrenzt, dass darauf nicht mehr ‚menschnegerecht’ gespielt werden kann.</p>
<p>Was aber ist dieses Eine, das niemals fehlen darf? Es ist das ‚Denken’ im Sinne des Betätigens der Vernunft, das Denken ohne ideologische Scheuklappen, ohne Beschränkung auf wissenschaftliche Mainstreams, das Denken, welches vom Stachel des Zweifels lebt, welches aber auch seine Grenzen zugeben kann, um allenfalls einem reflektierten und damit Toleranz befähigenden Glauben Platz zu machen’.</p>
<p>Auf diesem Hintergrund kann ich nun die beiden folgenden Thesen formulieren:<br />
These 1: Wer zuviel zweifelt, bewegt sich in Richtung der Handlungsunfähigkeit.<br />
These 2: Wer nur noch handelt, bewegt sich in Richtung der Unfähigkeit  zu zweifeln. <!-- ~~ads~~ -->
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Zur These 1: Manchmal stelle ich mir die Frage, warum sich in unserem Lande so wenige Intellektuelle ernsthaft in der Politik engagieren, warum so viele Vertreterinnen und Vertreter vor allem der Geisteswissenschaften kaum mehr als ein müdes Lächeln oder bloss einige ironische Bemerkungen übrig haben für das ‚niedrige’ Geschäft des Politischen.<br />
Vielleicht betreiben sie ihr Geschäft des Denkens und Zweifelns so prominent, dass ihnen die Handlungsfähigkeit nahezu abhanden kommt, es sei denn, sie hätten um die Existenz ihrer Projekte oder Lehrstühle zu kämpfen. Ich weiss, dass unsere Gesellschaft eine hochspezialisierte ist, aber das Politische geht nun einmal alle etwas an und wenn jene, die in ihrem Beruf eine hohe Kultur des Denkens und des Zweifeln entwickelt haben, genau diesen Bereich des Politischen meiden oder ihn gar verächtlich behandeln, dann überlassen sie das Feld bekenntniswütigen Macherinnen und Machern, bei denen die Tat derart im Vordergrund steht, dass sie kaum mehr zu denken und zu zweifeln vermögen.</p>
<p>Damit bin ich auch schon bei der These 2: Wer nur handelt, bewegt sich in Richtung der Unfähigkeit zu denken und zu zweifeln. Hier komme ich zurück auf das Bild von der Schreinerwerkstatt: die Maschinen sind eingerichtet, die Holzlager gestapelt und die Aufträge liegen vor. Angesagt ist ausführendes Handeln. Grundsätzliche Fragen etwa nach einer anderen Fertigungstechnik oder nach anderen Hölzern sind nur störend und verhindern sowohl die Effizienz als auch die Effektivität. Die Übertragung dieser Metapher  auf das Feld der Alltagspolitischen ist einfach: die einzelnen Parteien sind konkurrierende Schreinerwerkstätten: der Einkauf  der Holzlager, der Maschinen sowie die Definition der einzelnen Aufträge werden den Akteuren in den Werkstätten sprich in den Parlamenten und z.T. auch in den Exekutiven vorgegeben. Jede Werkstatt tritt mit ihrer Marke als die Beste – mit einem möglichst raffinierten Marketing- an die breite Öffentlichkeit und hofft auf breite Zustimmung und somit auf eine grosse kaufbereite Kundschaft.</p>
<p>In den Parteizentralen und an den Schaltstellen sind Macher und Marketingleute gefragt. Zweifler spielen eine untergeordnete Rolle. Das ist nicht einfach zu verurteilen, denn im Bereich des Politischen steht schon von Definition des Begriffes her die Tat im Vordergrund.</p>
<p>Hier aber liegt das Problem: die Tat steht nur im Vordergrund. Sie ist nämlich dringend darauf angewiesen, dass es auch noch einen Hintergrund gibt und dieser ist das Denken und der Zweifel. Wenn dieser Hintergrund selten oder nie aktiviert wird, kann es gefährlich werden. Wenn wir zum Bild mit dem Heissluftballon zurückzukehren, kann sich folgende Situation ergeben. Alle sind daran, die Reissfestigkeit der Ballonhülle zu testen, um sie möglichst effizient und publikumswirksam aufzublasen, derweil sie aber vergessen, den Ballonkorb zu befestigen und für die nötigen Gewichte zu sorgen. Was diese Metapher in ihrer negativen  Anwendung auf den Bereich des Politischen bedeutet, kann ebenfalls leicht gezeigt werden: man vergisst die Erdung, das heisst man kümmert sich kaum noch um den Korb, der für konkrete Menschen (Passagiere) bestimmt ist und man sorgt sich kaum um die verschiedenen Winde, welche zu erwarten sind.</p>
<p>Aktivisten sind zwar in der Politik gefragt und sie sollen ihre Rolle spielen: schliesslich wird das Gefährt nie in die Höhe gehen, wenn niemand die Hülle füllt und alle nur von der Grosswetterlage reden. Beides tut not, die Tat und das reflektierende Denken.<br />
Nur, wenn sich die Politik im Spannungsfeld von Beidem, von Theorie und Praxis zu halten vermag, verkommt sie nicht zur Politträumerei auf der einen Seite und zu blindem Aktivismus auf der anderen. Bald 40 Jahre nach der 68iger Bewegung hat in unserem Lande in allen politischen Lagern eine sehr pragmatische und marketingorientierte Mentalität die Oberhand gewonnen. Vor der Gefahr der Politträumerei gilt es also kaum mehr zu warnen. Vielmehr lauert die Gefahr von der entgegen gesetzten Seite: Denken und Zweifeln sowie das Stellen von Grundsatzfragen kommen eindeutig zu kurz: sie werden höchstens an das Feuilleton und an die Sonntagstalks delegiert. Wer aber nicht im Alltag reflektiert, läuft Gefahr, einem aktivistischen Dogmatismus zu verfallen, einem Dogmatismus, der ausgrenzt und die anders denkenden als Feinde apostrophiert, mit denen man am besten nicht redet oder mit denen man auch nach allfällig hartem Ringen lieber niemals Kompromisse schliesst.</p>
<p>Wer als Aktivist nicht immer auch im Hintergrund denkt und zweifelt, ist vielleicht gefährlicher als die Zweifler, welche kaum mehr handlungsfähig sind. Diese allerdings sind gefährdet, gefährdet in der Brandung von blindwütigem Aktivismus, dessen schlimmste Ausgeburt die Intoleranz und damit eine Schwächung der demokratischen Kultur sein könnte.<br />
Beides braucht die Politik: das Handeln im Vordergrund, das Denken im Sinne von Zweifeln und Suchen nach Alternativen im Hintergrund.</p>
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