Persönlich

 

Wikipedia-Artikel mit Biografie von Hans Widmer

IM BEICHTSTUHL – Ein Interview mit dem SP-Nationalrat Hans Widmer in der Luzerner Woche vom 10.9.2008

Haben Sie eine Sünde zu beichten?

Eine Notlüge beim Beichten in der Jugendzeit. Weil ich unbedingt ein Spielzeug (einen Metallvogel zum Aufziehen) haben wollte, entnahm ich dem Portemonnaie meiner Mutter über Monate immer etwas Geld. Am Schluss waren beachtliche 30 Franken beisammen und im Beichtstuhl traute ich mich nicht, diese Summe zu sagen. Ich reduzierte sie auf zwanzig … und so war es dann halt keine schwere Sünde.

Womit gelingt Ihr Start in den Tag?
Mit genügend Zeit.

Ihr grösstes Laster?
Ich bin zwar nicht mit dem Geld, wohl aber mit der Zeit etwas «geizig». Vielleicht bin ich sogar ein wenig «arbeitssüchtig».

Für einen Überraschungsbesuch gibts …
Einen guten Rotwein, wenn möglich einen Rioja, und Trockenfleisch. Trinkt der Gast keinen Wein, dann mache ich Münzentee und besorge Kuchen.

Wenn Sie jemand auf der Strasse um etwas Geld bittet, geben Sie etwas?
Ja, aber höchstens ein- bis zweimal am gleichen Tag.

Ihr Lieblingsplatz in der Zentralschweiz?
Die Aufschütti — genauer: über dem Bootshafen, dort, wo sich der Apothekergarten befindet. Die Rundsicht auf See und Berge ist dort fantastisch. Zudem ist dieser Ort nahe bei der Konti, wo ich viele Jahre gearbeitet habe.

Warum haben Sie sich den Bart abrasiert?
Anlass dazu war die Aussage meiner Tochter, sie hätte mich noch nie ohne Bart gesehen. Eigentlicher Grund war aber wohl, dass ich merkte, dass er langsam, aber sicher ergraute.

Was halten Sie von der sogenannten «Offroader-Initiative»?
Ich finde sie in der Stossrichtung gut. Sie müsste aber gewisse Rücksichten auf jene Menschen nehmen, die abgelegen wohnen und auf solche Fahrzeuge angewiesen sind.

Wie stehen Sie zur Video-Überwachung in Luzern?
Ich habe den Eindruck, dass der Staat langsam zum «Big Brother» wird, wie ihn Orwell in seinem Roman 1984 beschrieben hat. Die Sicherheit ist wichtig, doch der Respekt vor den Persönlichkeitsrechten hat in diesem Fall Priorität.

Dieses Talent gäbe man Ihnen nicht:
Trotz meines Rufes, zwei linke Hände zu haben, bastle ich manchmal klammheimlich.

Was beeindruckt Sie?
Die Macht der Naturkräfte, die der Mensch auch mit der modernsten Technik nicht zu beherrschen vermag.

Ihr teuerstes Kleidungsstück?
Meine uneleganten, aber gesunden und bequemen Jacoformschuhe.

Welches Restaurant in Luzern wählen Sie aus, wenn es etwas zu feiern gibt?
Den «Unterlachenhof». Im Zusammenhang mit der Politik den «Anker» oder das «Toscana».

Welches Buch lesen Sie zurzeit?
Einen spanischen Roman von Antonio Muñoz Molina: «El viento de la Luna» (Der Wind des Mondes). Und das Sachbuch «Wozu Armeen — Europas Streitkräfte vor neuen Aufgaben».

Das möchte ich können:
Gut Querflöte spielen.

Der beste Geruch?
Lavendel.

Welche Tugend sollte jeder Mann haben?
Es fragt sich, in welchem Alter. In meinem: Gelassenheit.

Wie tragen Sie persönlich dazu bei, den Klimawandel zu verzögern?
Ich fahre Velo.

Was ärgert Sie?
Wenn die Leute intolerant sind.

Drei positive Seiten an Ihnen sind:
Zuversicht, Gutmütigkeit, Fleiss.

Und drei negative wären …
Ich bin etwas zu emotional, unkritisch und nicht ganz ohne Eitelkeit.

Interview: Guy Studer

juanito

Hans Widmer wurde am 9. September 1941 in Ligschwil bei Hochdorf geboren und wuchs dort auf. Er besuchte das Gymnasium in Immensee, studierte am Missionsseminar Schöneck ob Beckenried sowie an der Universität von Innsbruck und machte sein Doktorat 1968 in Philosophie. Bis 2006 war er Kantilehrer.
Seine Politkarriere bei der SP führt über den Luzerner Grossen Stadtrat und Kantonsrat zu seinem jetzigen Amt als Nationalrat. Zudem präsidierte er mehr als 15 Jahre lang den Luzerner Gewerkschaftsbund. Seine Freizeit füllt Hans Widmer am liebsten mit «Dolce far niente», Reisen, Philosophie und Kulturgeschichte. Er ist in zweiter Ehe mit Christine Jemelin verheiratet und Vater von zwei Kindern sowie zweifacher Grossvater.